2014-05-27: Frankfurter Neue Presse
von Ulrich Feld:
Die Geschichte beginnt quasi wie ein klassischer Krimi nach dem Muster der "Schwarzen Serie" - nämlich ziemlich undurchsichtig. Wie beispielsweise in "Chinatown" wird Privatdetektiv Zinn Fehender (Hinnerk Schönemann) zu Anfang von Simone Albrecht (Julischka Eichel) engagiert, weil sie scheinbar befürchtet, ihr Mann würde sie betrügen. Doch in Wirklichkeit will die attraktive Frau einen Mord verschleiern: An Christian Buss nämlich, der Simones Schlappschwanz von Ehemann Jörg (Peter Schneider) in eine Falle gelockt hat und nun erpresst. Der psychotische Killer Thomas Trappe (Florian Lukas) ist genau der richtige Mann dafür: Er hat nicht nur bei der Bundeswehr eine Scharfschützenausbildung erhalten und reichlich Erfahrung aus mehreren Einsätzen in Afghanistan mitgebracht, sondern ist auch noch scharf auf Simone.Vierter Film mit Finn Zehender
Auch in seinem vierten Fall nach "Mörderisches Wespennest" (2011), "Tod einer Brieftaube" (2012) und "Mörderische Jagd" (2013) hat es der Ex-Polizist Fehender mit reichlich skurrilen Figuren zu tun. Dazu kommen die bereits aus den vorangegangenen Filmen bekannten Mitspieler wie die die Staatsanwältin Agnes Sonntag (Katja Danowski) mit ihrer ausgeprägten Vorliebe für edle Tropfen. Sie bezeichnet Finn Zehender in einer Szene als "Philip Marlowe", und tatsächlich erinnert der verschlungene Plot mit seinem scharf gewürzten Cocktail aus Sex, Crime und noch mehr Sex nicht nur zum Anfang an verschiedene Vorbilder US-amerikanischer "hardboiled"-Literatur.
Harter Krimi mit trockenem Witz
Wie der von Raymond Chandler geschaffene Marlowe ist auch Finn Zehender ein ehemaliger Polizist, der auf Frauen nahezu unwiderstehlich wirkt und mit seinen ehemaligen Kollegen wie Kommissar Festenberg nicht eben ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Es ist schon bemerkenswert, wie geschickt Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt und Regisseur Markus Imboden diese altbekannten Motive mit viel Witz und trockener Komik zu einem sauber durchkonstruierten Kriminalfall kombiniert haben, der auch mal härtere Töne anschlägt. Es geht nicht nur um Mord und Erpressung, sondern auch um Vergewaltigung und Brandstiftung.
Macht Lust auf mehr
Das norddeutsche Flachland taugt für solche Geschichten eben genauso gut wie der Asphaltdschungel amerikanischer Metropolen. Die ironischen Brechungen der Figuren verhindern in der ZDF-Produktion aber, dass alles zu einer bloßen Kopie US-amerikanischer Vorbilder wird. Besonders gut gefällt in diesem Zusammenhang das spielfreudige Darsteller-Ensemble, allen voran Hinnerk Schönemann. Am Ende der makaberen Krimigroteske freut man sich schon auf Zehenders nächsten Fall.
2014-05: tittelbach.tv
von Rainer Tittelbach:
Understatement ist angesagt auch im vierten TV-Krimi mit Hinnerk Schönemann als Finn Zehender. Einerseits ist „Mord in Aschberg“ geradeaus an seiner Hauptfigur entlang erzählt, andererseits gönnen Autor Holger Karsten Schmidt und Regisseur Markus Imboden der Krimihandlung immer wieder kleine absurde Zwischenspiele. Schräge Dialoge, ironisch zerdehnte Situationen, eine im deutschen Fernsehen seltene Genre-Lakonie und ein relaxter Erzählfluss – das zeichnet den launigen ZDF-Krimi aus der norddeutschen Provinz aus.Finn Zehenders neuer Auftrag hat sich schnell erledigt. Jörg Albrecht, den er im Auftrag seiner Ehefrau Simone angeblich der Untreue überführen sollte, ist alles andere als ein Draufgänger – dafür ist der Mann, mit dem sich der brave Bankangestellte an einer einsamen Bushaltestelle trifft, wenig später tot. Erschossen von einem Profischarfschützen, angeheuert ebenfalls von der fürsorgenden Hausfrau. Offenbar benutzt sie Privatdetektiv Zehender nur als Alibi-Geber für ihren Gatten. 143 Euro für ein paar Fotos, die belegen, dass jener ängstliche Biedermann nichts mit dem Mord zu tun hat. Der hat keinen Schimmer von dem, was hier vorgeht – und engagiert seinerseits seinen vermeintlichen Lebensretter Zehender, damit er ihm den Killer vom Hals hält. „Finnilein“, unterstützt von seinen Liebchen, der Fast-Staatsanwältin Agnes Sonntag und der nicht minder anschmiegsamen Polizistin Karin Herzog, bekommt jede Menge zu tun, um diesen mörderischen Schwindel in Aschberg auffliegen zu lassen.
Understatement ist angesagt auch im vierten TV-Krimi mit Hinnerk Schönemann als Finn Zehender. Einerseits ist „Mord in Aschberg“ klar strukturiert und geradeaus an seiner Hauptfigur entlang erzählt, andererseits gönnt Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt der Krimihandlung immer wieder kleine absurde Zwischenspiele, in denen ein bisschen nachgedacht wird über das Leben und die Liebe im Allgemeinen und über das Mann- und Frausein im Besonderen oder in denen Zehenders Untermieter, Ex-Polizist Mühlfellner, ein Beispiel dafür gibt, wie man mit einer Kugel im Kopf zu einem Philosophen werden kann („Warum gibt es eigentlich flüssige Seife?“). Hinzu kommen Wortspiele („Früher war alles besser und aus Holz“) und Kalauer („Herr Felsenfest“), aber auch schön schräge Sätze, die selten Selbstzweck sind, sondern meist zur Charakterisierung beitragen. Da will Zehender mit dem Bankangestellten sprechen. Der verharrt & verweist auf die Uhr: fünf, vier, drei… 12.30 Uhr, „jetzt, Mittag“. Schön auch sein Satz über den Vater seiner Göttergattin: „Ich will nichts Böses über meinen Schwiegervater sagen. Er hat auch nicht viele Fehler. Das Problem ist nur: er ist ein Riesenarschloch.“ Und dieses Riesenarschloch lässt gleichsam aufhorchen: „Ein schlimmer Finger, dieser Thomas“, sagt er über den Killer und fragt seine Tochter im selben Atemzug, „warum hast du den nicht geheiratet?! – dann hättest du wenigstens einen Mann.“
Das Verhalten der Figuren ist oft lakonisch, filmisch werden viele Szenen ironisch zerdehnt, während es dann auch wieder ruckizucki gehen kann. Außerdem konterkariert Schmidt die handelsüblichen Genre-Klischees. In jedem herkömmlichen Krimi wäre der Banker-Stoffel der gehörnte Ehemann; hier, bei den Albrechts, steckt offensichtlich hinter „Bärchen“ und „Mausi“ wahre, aufrichtige Liebe. Und wenn nicht, dann ist es zumindest wunderbar anzusehen, mit welcher Selbstverständlichkeit die Spießerhausfrau von nebenan kurzerhand beschließt: „Der Buss soll weg“ oder „Der Zehender muss weg“. Aber auch die Art und Weise, wie sie ihre Vergewaltigung „hinnimmt“ (dafür erlässt ihr der Killer 30.000 €), das hat nichts mit Realität und Psychologie zu tun – da ist vielmehr Genre am Werk. Und wenn – wie in einer Szene – drei Parteien im Haus des Ermordeten nacheinander zusammenfinden, ohne aufeinanderzutreffen, dann geben sich Witz und Suspense ein vorzügliches Stelldichein.
Coole Komik gibt’s wie immer reichlich bei Schmidt, Imboden, Schönemann & Co. Ganz besonders Florian Lukas als Kunduz-Kämpfer, der auf so ziemlich alles zielt, was ihm vor die Flinte kommt, gibt dem Killer Zucker. Wer ihn des Wilderns bezichtigt, ist selber schuld („damit schießt man keine Tiere“). Auch die weiteren Gast-Schauspieler passen zur Mix-Tonlage von „Mord in Aschberg“, die Schönemann, Thieme und Danowski vorgeben: Stephanie Eidt als liebesbedürftige Polizistin, Julischka Eichel als ausgekochte „Mausi“, Peter Schneider als Angsthase, der in schwierigen Situationen reflexhaft seine Scheinchen zückt, und Aljoscha Stadelmann als cholerischer Kommissar („sonst verfüttere ich Sie an die Krokodile“). Und eines gilt ganz besonders auch für diesen Ironie-gesättigten Zehender-Krimi mit seinen vielen kultverdächtigen Momenten: Wiedersehen dürfte Freude machen!
Dieser Artikel stammt von http://www.tittelbach.tv/programm/reihe/artikel-3192.html
2014-05: TV-Spielfilm
die Redaktion:
„Wären die Coen-Brüder mal in der norddeutschen Tiefebene tätig gewesen, wäre so was dabei rausgekommen.“ Mord in Aschberg sei ein „köstlicher Dorfkrimi mit lakonischem Witz.“Infos > Handlung > Photos > Film abspielen>
2014-05-26: Frankfurter Allgemeine
von Michael Hanfeld:
Dieser Adam. Bei dem stimmt doch was nicht. Die Sache mit der Rippe. Wenn Eva aus der Rippe erschaffen wurde, wieso hat Adam dann einen Bauchnabel? War er nicht der erste Mensch? Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) hört zu, verzieht keine Miene und legt ein Stück Fleisch auf den Grill. Er ist es gewohnt, dass ihm sein Untermieter, mit dem er auf einem alten Bauernhof in der norddeutschen Prärie wohnt, mit solchen Fragen kommt. Nachdem er einen Kopfschuss überlebt hat, ist dieser Gerhard Mühlfellner (Thomas Thieme) nun mal etwas wunderlich. Vorher war er begriffsstutzig, jetzt schaltet er schnell vom Hier und Jetzt ins Nirwana.Die Rippe, das Fleisch, der Grill, der Privatdetektiv, der ältere Ex-Polizist - schon in ihrer ersten Szene fühlt man sich in dem Film „Mord in Aschberg“ wieder zu Hause in der Welt des Regisseurs Markus Imboden und des Autors Holger Karsten Schmidt. Sie schreiben dieser Besetzung (zu der noch ein paar andere gehören) schräge Geschichten zu, die in kein Raster passen. Komödie, Satire, Thriller, Krimi, Drama, Groteske - hier ist alles eins, steckt voller Anspielungen, Zitate und pointenreicher Dialoge plus einem coolen Soundtrack.
Mit dem Bagger zum Showdown
Den Mord gibt es auch gleich zu Beginn. Professionell ausgeführt von dem Scharfschützen Thomas Trappe (Florian Lukas) und hinterlistig eingefädelt von Simone Albrecht (Julischka Eichel), die nicht nur den Mörder beauftragt, sondern auch den Detektiv Zehender. Er soll ihren Mann Jörg (Peter Schneider) überwachen. Der weiß von alldem noch nichts, trifft sich mit einem Erpresser, der segnet das Zeitliche. Das sieht aus wie in einem amerikanischen Krimi, klappt alles wie am Schnürchen, nur verlangt der miese Killer von Simone Albrecht noch einen besonderen Preis.
Und auch der Detektiv tanzt aus der Reihe, weil er sich fragt, wie hier eins zum anderen passt. Den ebenso cholerischen und bornierten wie in seinen Mitteln limitierten Kommissar Festenberg (Aljoscha Stadelmann) konsultiert Zehender besser nicht. Dafür ist er bei seiner früheren Kollegin vom LKA in Hamburg, Karin Herzog (Stephanie Eidt), an der richtigen Adresse. Und wenn nicht bei ihr, dann bei der Jurastudentin und künftigen Staatsanwältin Agnes Sonntag (Katja Danowski). Ohne die beiden stünde der Detektiv, der sich bald selbst im Kugelhagel wiederfindet, auf verlorenem Posten. Wobei er auch als Frauenversteher-Ausgabe eines Philipp Marlowe ein hohes Risiko eingeht. Er hält die Damen nämlich beide hin und verschenkt Ringe. Es fragt sich, wie lange die Menage-à-trois funktioniert.
Das Schöne an der Sache ist, dass hier alle die eine oder andere Macke haben. Agnes Sonntag kippt sich gern einen hinter die Binde, Karin Herzog lässt den Detektiv gar nicht ausreden, da befingert sie ihn schon und setzt, als es gefährlich wird, rechtzeitig die Kavallerie in Marsch. Und bei diesem Finn Zehender selbst weiß man gar nicht, ob er unterschätzt wird und das einzusetzen weiß oder wirklich auf dem Schlauch steht. Sein Mitbewohner Mühlfellner jedenfalls ist nicht ganz von dieser Welt. Zum Showdown fährt er todesmutig, aber unbewaffnet mit einem Bagger, den er beim Preisausschreiben gewonnen hat, und die Frau seiner Träume erscheint ihm als Blumenmädchen auf der Wiese.
Am Ende sitzen die beiden Herren in der untergehenden Sonne, der Grill qualmt, die Currywurst ist fertig, und sie reden übers Glück. Der nächste Fall aus Aschberg kann kommen. Unbedingt bitte, wenn wir an dieser Stelle eine Forderung ans ZDF stellen dürfen.