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Grimme Preis 2010


für Beste Regie, Bestes Drebuch, Bestes Schauspielensemble

Jurybegründung:
Ein Dorfpolizist in Nöten. Eine junge Moldawierin soll in einem Mordprozess gegen das organisierte Verbrechen aussagen. Doch ihr Versteck auf Amrum ist aufgeflogen. Auch das Wetter spielt nicht mit. Die Fähre vom Festland bringt keine Rettung, sondern erhöht die Gefahr. Profi-Killer wollen ihre Arbeit tun.
Was dann zur Frage führt: Wann gab es schon einmal elf Leichen in einem 90-minütigen Fernsehfilm? In den Annalen des Adolf-Grimme-Preises dürfte man kaum fündig werden. „Mörder auf Amrum“ wurde deshalb von Fernsehkritikern auch mit Film-Grundlinien der Coen-Brüdern verglichen. Doch der Film von Holger Karsten Schmidt und Markus Imboden ist keineswegs einfach ein deutsches „Fargo“, trotz manch ähnlicher Tonlage und Konstellation: mit einer eindringlichen Mischung aus Brutalität, Situationskomik und Lakonie.
Heimatlich gefüllt werden diese stimmungsvollen Wechselbäder mit versoffenen Dörflern, skurrilen Alltagsgeschichten, mit Groteskem, Spannendem, mit lapidarem Umgangston, bis hin zu Loriotschen Verbalspitzen. Dieser Krimi ist wie jeder Genrefilm ein Spiel mit Möglichkeiten, und er bekennt sich dazu. Er lädt die Zuschauer zum Mitspielen ein – und tatsächlich haben über sieben Millionen dieses ungewöhnliche Angebot angenommen.
Das Herzstück dieser nordfriesisch schrägen Krimikomödie ist ihr Hauptdarsteller Hinnerk Schönemann. Sein Dorfpolizist ist keine große Leuchte. Er verschenkt Sanduhren an seine Liebste, weil er Amrum mag und den entspannten Rhythmus, den das Leben hier besitzt. Schönemann ist die ideale Besetzung, weil seine bisherigen Polizistenrollen auf den Polizeiwachtmeister Helge Vogt abfärben. So nuancenreich hat man ihn selten gesehen. Sein komisches Talent kann er zwischen den Regelbrüchen des Genres und dem ausgeruhten Erzähltempo, das sich gleich zu Beginn durch den leise ironisch eingespielten Reggae „I Shot The Sheriff“ abzeichnet, augenzwinkernd ausleben.
Wie sein Held Rio Bravo-like von einer Frau und einem alten Saufkopp Hilfe bekommt, so findet der Hauptdarsteller Unterstützung bei einem spielfreudigen Ensemble. Es ist diese Chemie zwischen den Akteuren, die Variation, die besondere Mixtur, die „Mörder auf Amrum“ zu einem Krimi-Kleinod machen. Dieser Film funktioniert wie ein Popsong, man kann und will ihn mehrmals sehen. Ein Stimmungsfilm. Ein Bauchfilm. Ein Film, der Laune macht.

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