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Kritiken zum Film:


TATORT - Klingelingeling


2016-12-23: Tages Anzeiger Zürich

Tagesanzeiger.ch/Newsnet:
Das ist überhaupt die Grösse dieses «Tatorts»: seine unverstellte, ja, plakative Hoffnungslosigkeit. Selbst das Superduo Leitmayr und Batic (Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) kanns nicht richten. Es hechelt den Geschehnissen rund um die Bettlermafia lange hilflos hinterher und rettet sich in melancholisch angekränkelte Running Gags übers Christfest, das Kommissar Leitmayr mit seiner anstrengenden Mutter verbringen soll – und Batic mutterseelenallein. Dass der Babyleichnam schliesslich neben einer Weihnachtsgans über die Grenze geschmuggelt wird, ist einer der finalen beissenden Spässe, die «Klingelingeling» zum Geklirr verzerren. Gut so. Und der Schweizer Regisseur Markus Imboden versucht gar nicht erst, den hard-boiled Sound bildlich zu brechen. Er hält sich an schlichten, simplen Understatement-Realismus samt längeren Passagen in Rumänisch – teils ohne Untertitel. Tonfall, Gestik und Handlung machen die Musik. Da ist nichts Innovatives, dafür ein so aufregender Wettlauf mit dem Tod, dass man am liebsten vorspulen will zum dreiviertelsbitteren Ende im rumänischen Kaff, das in Matsch und Tränen versinkt. Wie wir in diesem «Tatort».

2016-12: TVspielfilm.de

Sozialkrimi ohne jedes Lametta
In der Kantine singt der Polizeichor „Stille Nacht“, da werden Batic und Leitmayr zu einer Babyleiche gerufen. Zur Lösung des Falls müssten die Kommissare ins Milieu knallharter rumänischer Bettelbanden eintauchen… Im herben Kontrast zum allgegenwärtigen Weihnachtsgeklingel in der Münchner City erzählt der klassische „Tatort“ eine Weihnachtsgeschichte der anderen, bedrückend realistischen Art.

2016-12: TVspielfilm.de

von UH
Tatort: Klingelingeling: der Weihnachts-"Tatort" kommt 2016 aus München und führt Batic und Leitmayr mit der rumänischen Bettlermafia zusammen.
In Markus Imbodens sorgfältiger Regiearbeit ermitteln die Münchner Kommissare in einer menschenverachtenden Parallelwelt.
Der Weihnachts-„Tatort“ kommt in diesem Jahr aus München. Weil er erst am zweiten Weihnachtstag zur Ausstrahlung kommt, musste er auch nicht funkelnd-festlich geraten, sondern strahlt eine verstörende Tristesse aus, spielt er doch auf der Schattenseite der wohlhabenden Stadt. Obendrein stellt er die Weihnachtsgeschichte auf den Kopf: Ein verzweifeltes Paar sucht fern der Heimat eine schützende Unterkunft, um ein Baby zur Welt zu bringen. Es sind zwei junge rumänische Frauen, Schwestern, die von der Bettelmafia brachial gezwungen werden, zur Hochsaison für mildtätige Gaben an Münchens Straßenecken Mitleid zu erregen. Gejagt von ihren skrupellosen Bandenchefs finden sie für die Geburt trügerische Zuflucht in einer öffentlichen Toilette. Während die Kommissare Batic und Leitmayr im Polizeipräsidium noch Weihnachtschören lauschen, wird in einer Kirche ein totes Baby nicht in einer Krippe sondern auf dem nackten Steinboden gefunden, mit der radegebrochenen schriftlichen Bitte, es zu begraben. Und während Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, in ihren Rollen in Ehren ergraut und empathisch geworden, viel ermitteln und telefonieren müssen und ihren Charakteren wenig neue Facetten abtrotzen können, kennt der Zuschauer längst die Hintergründe, was die Spannung des Weihnachtsfalles nicht unbedingt erhöht. Dafür sieht er mit wachsendem Unbehagen den Vorgängen in einer menschenverachtenden Parallelwelt zu, mafiöse Strukturen, die im reichen München geduldet werden, die EU-Bürger aus dem ärmeren Osten und ihre Familien schlimmsten Repressalien aussetzt. Der Weihnachts-„Tatort“ macht, was der „Tatort“ am besten kann: Er widmet sich einem brisanten Thema, das das gut geschriebene Drehbuch verblüffend klar durchleuchtet. Dabei strebt das Geschehen unerbittlich einem dann doch atemlos dramatischen Höhepunkt zu, den zwei hervorragende rumänische Schauspieler schockierend glaubwürdig gestalten. Für diesen „Tatort“ konnten immerhin Cosmina Stratan und Florin Piersic jr. gewonnen werden. Die eine wurde in Cannes als beste Darstellerin für Christian Mungius beklemmendes Glaubensdrama „Jenseits der Hügel“ ausgezeichnet, der andere ist ein in Rumänien populärer Schauspieler und Regisseur, der seinen Weg auch in Hollywoodfilme gefunden hat. Die sehr präzise, geradlinige Regie, die diesen Tatort über viele Folgen der Münchner Reihe heraushebt, stammt vom Schweizer Kino- und TV-Regisseur Markus Imboden („Der Verdingbub„), der von BR-Redakteurin Stephanie Heckner bereits zum dritten Mal betraut wurde und der im Übrigen auch den hessischen „Tatort: Wendehammer“ zum vierten Advent inszeniert hat. Von ihm sind keine Genre-Experimente oder „Tatort“-L’art-pour-l’art zu erwarten, sondern eine sorgfältige konzentrierte Arbeit, die das Fernsehpublikum überzeugen und bewegen wird.

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